Gemeindewahl 1991

Bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen blieb die CDU mit landesweit 43,1 % trotz knapp 3 %-Punkten Verluste, klar stärkste Kraft. Der seit 1990 mit rot-grün regierende Ministerpräsident Schröder (SPD) hatte einen anderen Ausgang erwartet, die SPD blieb mit 40,2 % aber nicht nur klar hinter der CDU, sondern auch noch knapp hinter ihrem Wahlergebnis von 1986.

In der Gemeinde Dörverden sorgten die Wählerinnen und Wähler bei relativ hoher Wahlbeteiligung (über 73 %) für ein Ergebnis gegen den Landestrend. Während die zuvor im Gemeinderat mit absoluter Mehrheit durchregierende SPD fast 4 % Stimmenanteil einbüßte, konnte die CDU gegen den Landestrend zulegen.

Das Wahlergebnis der Gemeindewahl 1991:
CDU 43,3 % (+1,1) – SPD 46,4 % (-3,7) – FDP 3,7 % (+0,5) – Grüne 6,6 % (+2,9)

Die „Verdener-Aller-Zeitung" schrieb am 8. Oktober 1991 unter dem Titel „Frischer Wind im Rat„:
Frischer Wind im Dörverdener Gemeinderat. Bei den Kommunalwahlen, die den Grünen (Ehler Lohmann)und der FDP (Carl-Heinz Dömken) jeweils einen Sitz brachten, scheiterte bei der CDU mit dem auf Listenplatz vier gesetzten Westener Artur Lang (154 Stimmen) ebenso ein Mitglied des Verwaltungsausschusses wie mit Klaus Skornia (102) bei der SPD, für die auch Richard Logies nicht wieder in den Rat einziehen konnte.

Neu kam für die SPD lediglich die Westenerin Marita Budnik (170) in den Rat, dem von der SPD wie bisher Heiner Falldorf, Horst Austermann, Wolfgang Henze, Karin Meyer, Edmund Flegel, Klaus Krause, Jonny Behrens, Manfred Müller, Bernd Rotermund und Werner Rengstorf angehören.

Bei der CDU gibt es mehr neue Gesichter, zumal mit Irmgard Klasen, Erwin Adomeit, Hermann Alhusen und Heinrich Precht vier Ratsmitglieder auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatten. Neu schafften so JU-Mitglied Stefan Döhrmann (Stedorf), der auf Anhieb mit 341 Stimmen das drittbeste CDU-Ergebnis erreichte, Bernhard Hanses (Barme, 196 Stimmen), Wilhelm Mügge (Dörverden, 335) und Isidor Eckart (Dörverden, 156) den Sprung in den Rat. Weiter dabei sind Rainer Herbst (2.249), Günter Meyer (1.065), Ilse Schnabel (263), Hermann Heimsoth (262), Erwin Jesse (294)  und Wolfgang Müller (157 Stimmen)."

WahlkreuzWahlkreuzWahlkreuz Bei der Wahl 1991 hatten die Wähler drei Stimmen, mit denen sie einen oder mehrere Kandidaten ankreuzen konnten. Die Möglichkeit, eine Partei/Liste anzukreuzen, gab es damals noch nicht, so dass die Sitzverteilung innerhalb der Parteien ausschließlich nach Stimmenanzahl ging. Eng war das Rennen bei der CDU um den 9. und 10. Sitz der neuen Fraktion: Wolfgang Müller aus Ahnebergen (157) und der Aussiedlerkandidat Isidor Eckart (156 Stimmen) erhielten dabei knapp mehr Stimmen als der „1. Nachrücker" Artur Lang aus Westen (154).

Fraktionsvorsitzender der neuen CDU-Ratsfraktion wurde Rainer Herbst, zu seinen Stellvertretern wurden Günter Meyer (zugleich Ortsvorsteher Stedorf) und der damalige JU-Kreisvorsitzende Stefan Döhrmann gewählt.

Die CDU konnte 1991 in Dörverden gegen den Trend zulegen. Das hatte hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen war die vom einstigen Bürgermeister Falldorf eng an der Leine gehaltene SPD-Mehrheitsfraktion personell und inhaltlich nicht so stark, um den besonderen Erfolg der Sozialdemokraten bei der vorherigen Gemeindewahl zu wiederholen. Zum zweiten war es die CDU selbst, die durch einen sehr engagierten Wahlkampf und durch eine Kandidatenliste mit erfahrenen Ratsmitgliedern und  mehreren guten und aktiven Neulingen den Wählerinnen und Wählern in der Gemeinde ein attraktives Angebot gemacht haben. Vor allem der Einstieg in die „junge Linie", die die Gemeinde-CDU in den kommenden zwei Jahrzehnten auszeichnen sollte, war mit dem jungen Bewerber Stefan Döhrmann gelungen und erfolgreich. Damals legte die CDU mit Rainer Herbst, Günter Meyer und dem Neuratsherrn Stefan Döhrmann die Grundlagen für einen sukzessiven Erneuerungsprozess, der bis heute gutwillig und konsequent fortgeführt wird.

Das spätere personelle Fiasko der hiesigen SPD (inklusive Fraktionsaustritte, internen Schmähbriefen und geheimen Mitgliederversammlungen) hatte einige Wurzeln schon 1991, weil schon bei dieser Wahl die SPD es verpasste, die Weichen für eine mittelfristige Verjüngung und Erneurung der eigenen Riege zu stellen. Die überdurchschnittlichen Verluste der SPD bei der Gemeindewahl 1991 waren ein erstes Anzeichen dieser Langfristentwicklung.

Auf der CDU-Liste kandidierten 1991 für den Gemeinderat 27 Bewerber, davon fünf Frauen.